Geschichte

Das Baerwaldbad -in Kreuzberg die Badeadresseseit über 100 Jahren!

Sehr geehrter Besucher,
die über 100-jährige Geschichte des Baerwaldbades hatte zahlreiche Licht- und Schattenseiten. Wir konnten schon einiges Material zusammentragen, aber noch immer fehlen uns viele Informationen über diese Zeit, sodass wir ständig auf der Suche nach alten Fotos, Unterlagen und Zeitungsberichten sind.

Vielleicht haben Sie solche Schätze in Ihrem Besitz oder wissen, wo wir fündig werden können. Dann nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf. Vielen Dank!

Das vorhandene Wissen haben wir aufbereitet und auf den nächsten Seiten zu einer hoffentlich kurzweiligen Exkursion zusammengestellt. Viel Spass beim Lesen!


Zum Ende des 19. Jahrhunderts herrschte allgegenwärtiges Wohnungselend. Nicht selten wohnten mehr als 5 Personen in Einzimmerwohnungen ohne Badezimmer. Durch diese katastrophalen Zustände wurde der Ruf nach öffentlichen Badeanstalten laut.
Schließlich forderte ein Dermatologe bereits in den 1880er Jahren, dass jeder Deutsche ein wöchentliches Bad zu sich nehmen kann. Der Stadtbaurat wurde so beauftragt im dicht besiedelten Stadtteil und Arbeitsbezirk Kreuzberg ein Stadtbad zu errichten.

In den Jahren 1898 bis 1901 entstand mit dem Bau der Gemeindeschule in der WIlmsstraße 10 und der Apostolischen Kirche das Stadtbad Kreuzberg (Baerwaldbad). Die Gemeindeschule heißt heute Bürgermeister-Herz-Schule. Zuerst wurde ein südlicher Trakt mit einer Schwimmhaller errichtet. Das U-förmige Schwimmbecken war ca. 20m lang und 9m breit. Zudem gab es 69 Wannen- und 42 Brausebäder. Außerdem wurden nötige Kassenräume und eine medizinische Abteilung errichtet. Im Obergeschoss befanden sich Wohnungen für die Bediensteten. Im hinteren Teil befindet sich ein Treppenhaus. Dies ermöglichte den Schülern der dahinter liegenden Schule einen Zugang zum Bad.

Das gut besuchte Bad wurde bald zu klein, sodass in den Jahren 1913 bis 1917 ein Erweiterungsbau errichtet wurde. Dort wurde ein neues Schwimmbecken mit ca 25m Länge und 9,50m Breite errichtet sowie mit 35 Brausebädern sowie eine Heil- und Kurabteilung ausgestattet.

Zweiter Weltkrieg

Die größere neue Halle wurde im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört.

Im Jahre 1951 wurde der Wiederaufbau der zweiten Schwimmhalle beschlossen. Am 28.08.1955 wurde diese schließlich nach 3 Jahren Bauzeit der Öffentlichkeit zugänglich. Das Bad erfreute sich in den kommenden Jahren hohem Zulaufs. Dies hatte den Grund, dass viele Wohnungen in Berlin-Kreuzberg immernoch keine Badezimmer hatten. Auch Schulen und Schwimmvereine nutzten das Bad – viele Kreuzberger haben hier das Schwimmen gelernt.

Aufgrund mangelnder Nachfrage wurde das Bad in den 1990er Jahren teilweise stillgelegt. 1998 wurde der öffentliche Badebetrieb schließlich gänzlich eingestellt. Nachdem einige Jahre nur noch Schul- und Vereinsschwimmen stattfand, wurde das Bad 2002 endgültig geschlossen.

Nach einer Änderung des Bäder-Anstaltsgesetz endete die Betriebspflicht der Berliner Bäder-Betriebe für 14 Schwimmbäder zum 31.07.2002. Darunter auch das Stadtbad Kreuzberg. Dies wollten die Mitglieder der Kreuzberger Schwimmvereine so nicht hinnehmen und gründeten eine Initiative „Baerwaldbad“ und den Verein „TSB e.V.“ Der Verein betreibt mit Engagement bis heute als Pächter das Bad. Seit Oktober 2002 können Bürger wieder dort baden.

Das Gebäude

Das in den Jahren 1898 bis 1901 vom Stadtbaurat Ludwig Hoffmann errichtete Gebäude ähnelt einem römischen Renaissancepalast. Der Aufbau des Zwischengeschosses mit Luken (kleinen Fenstern) ist eher untypisch. Dies erkennt man jedoch erst bei genauerem Hinsehen. Insgesamt hat das Gebäude drei Geschosse. Dahinter verbergen sich die vielen Wannenbäder in einzelnen Zellen.

Die Fassade ist in ein rustikales Erdgeschoss aus Wünschelburger Sandstein gegliedert. Große Rundbogenfenster und ein Fries mit Luken schließt den rustizierten Teil der Fassade ab.  Das obere Geschoß, welches die ehemaligen Dienstwohnungen der Badbediensteten beherbergt, ist glatt verputzt.

An den Längsseiten des Beckens befinden sich Arkaden mit jeweils 5 Rundbögen, auf denen eine Galerie verläuft. Im Zwischengeschoß befanden sich die Wannenbäder. Diese Räume wurden 2006 entkernt und in den folgenden Jahren zu Sporträumen umgebaut. Die Dienstwohnungen im oberen Geschoss werden heute als Büro des Betreibers und als Büro, Schulungsraum und Aufenthaltsraum von Zukunftsbau GmbH – Projektes Baerwaldbad genutzt.

Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz.